Geschützte Werkstatt für Musikschaffende?

Geschützte Werkstatt für Musikschaffende?

Ein Intern​etprovider hat vor wenigen Wochen einen neuen Internetzugang lanciert und wirbt Online und auf Plakaten mit einem Hispeed-Zugang, ideal für den Download von Musik, eBooks und Filmen.

Diese Werbung hat den Verein Musikschaffende veranlasst, eine weitere Kampagne gegen das Internet und die vermeintliche Benachteiligung ihres Berufsstandes zu starten.
Auf die Kampagne als solches möchte ich gar nicht gross eingehen. Ich persönlich finde sie zwar ebenfalls doof, halte aber der Firma zu Gute, dass sie explizit mit dem Kauf wirbt, und nicht wie unterstellt, mit Filesharing.

Was mir aber sehr missfällt ist die Reaktion der Urheber, insbesondere die der Musikschaffenden. Einleitend dazu ein Zitat aus einer Pendlerzeitung:

«Wir haben die Nase voll davon, dass die Web-Industrie auf unserem Rücken Millionen verdient, ohne uns angemessen zu beteiligen» - ​Christoph Trummer, Präsident der Musikschaffenden Schweiz

Die Musikschaffenden fordern also ganz konkret einen Anteil an den Einnahmen der Internet Service Provider (ISP). Sie nehmen dabei keinerlei Rücksicht auf die Verwendung des Anschlusses, sondern gehen pauschalisiert davon aus, dass ein Teil der Bandbreite für Filesharing verwendet wird. Das ist doch ziemlich dreist!
Einerseits ist es eine Frechheit allen Endkunden zu unterstellen, dass sie ihren Zugang für kostenlose Downloads verwenden, andererseits ist es ein Affront an alle Käufer von Musik via Internet. Denn diese sollen einmal mehr a) für die Gratismentalität einiger User zahlen und b) für ihre gekauften Songs gleich mehrfach bezahlen (Kauf, Leerdatenträgervergütung und Providerbeitrag).
Bei solchen Forderungen kommt mir als Musikfreund die Galle hoch. Ich bin schlicht nicht bereit, die sture Haltung und die fehlende Flexibilität der Urheber mit Mehrfachabgaben auf ein und dasselbe Produkt mitzufinanzieren.

Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass die Musikschaffenden mit ihren Forderungen eine geschützte Werkstatt aufbauen wollen, die ihnen ein gewisses Einkommen garantiert. Aber ist es wirklich sinnvoll Künstler mit staatlicher Regulierung und privat finanzierten Subventionen zu schützen? Grundsätzlich eine Idee die man ja diskutieren könnte. Dafür sehe ich aber ein BGE, das eine gerechtes minimales Grundeinkommen für alle (auch Nichturheber) ermöglichen könnte. Eine Branchenspezifische Lösung kann ich nicht unterstützen.

Die Urheber haben ein Anrecht auf Anteile aus den erwirtschafteten Gelder mit Konzerten, Verkäufen und Streaming-Abos. Das ist für mich kein Thema! Aber wie diese Einnahmen auf die einzelnen Urheber verteilt werden, wie viel davon letztendlich auf den Konten der Künstler landen, das liegt allein bei den Urhebern und sicher nicht bei den Fans und Musikliebhabern.

Liebe Musikschaffende, ihr müsst euch bei solchen Frontalangriffen auf eure Kundschaft einfach bewusst sein, dass diese solche Spiele nicht auf ewig mitmacht. Irgendwann platzt den „ehrlichen“ Fans der Kragen. Das kann nicht in eurem Sinne sein!

Es gibt noch viele Punkte im Bereich der Musikindustrie, die hier nicht beachtet wurden. Diese lasse ich bewusst beiseite, da es hier wirklich konkret um die Vorwürfe an die Internet Provider gehen, die nun wirklich nicht in diesem Zusammenhang an den Pranger gestellt werden dürfen.

Quellen:

http://www.musikschaffende.ch/archives/2688​​​
http://www.20min.ch/finance/news/story/-Swisscom-verfuehrt-zu-illegalen-Downloads–10330604​

 

3 thoughts on “Geschützte Werkstatt für Musikschaffende?

  1. Lieber Herr Baur
    Es ist einfach nicht zu glauben, wie konservativ die „liberalen“ doch sind. Wieso machen sie aus unserer Kritik an der Werbung der Swisscom einen „Frontalangriff auf unsere Kundschaft“? Wir betonen immer und immer wieder: niemand will den Kunden, die Kundin zur Kasse bitten, geschweige denn kriminalisieren – wir wollen, dass die PROVIDER ihre Verantwortung sehen und uns für die Gewinne, die sie mit unserem geistigen Eigentum erwirtschaften, entschädigen. Wenn die Swisscom dieses Geld bei ihren Kunden holt, so ist das nicht unsere Entscheidung, sondern die der Swisscom. Wieso versuchen sie nicht einmal, die Zusammenhänge zu verstehen? Sehen sie doch mal die Verhältnismässigkeit – was für Umsätze die Swisscom macht und was wir mit der Musik verdienen. Sie werden als Musikfreund bald keine Freude mehr haben, weil wir es uns bald nicht mehr leisten können, die Musik, die sie konsumieren, zu produzieren. Wir wollen einfach nur selbst darüber bestimmen dürfen, was mit unserem geistigen Eigentum geschieht, es sind unsere Ideen, unsere Gefühle, Melodien, Worte, die ihnen als Musikfreund Gutes tun – und sie sind nicht bereit zu akzeptieren, dass wir den Preis für diese Inhalte selbst bestimmen wollen. Wenn keiner meine Musik hören oder kaufen will, ist das mein Problem, keiner redet von privaten Subventionen – wenn man ein Produkt will, soll man dafür den Preis bezahlen, den der Verkäufer verlangt, sonst muss man es nicht kaufen. Wir können als Verkäufer aber den Preis nicht selbst bestimmen, weil illegalen Uploads uns unsere Inhalte stehlen. Wie genau würden sie denn reagieren? Soll ich ihre Texte klauen und als meine verkaufen? Die Schweiz hat nicht umsonst keine wesentlichen musikalischen Exporte – weil die SchweizerInnen ihre KünstlerInnen nicht unterstützen und fördern. Wir sollen für euch schön weiter Unterhaltung produzieren – aber ihr wollt bitte dafür nichts tun – geschweige denn etwas dafür zahlen. Wie wäre es mal, wenn man sich als Musikfreund überlegt, wo die Musik her kommt und dass es durchaus gerecht ist, sich zu wehren, wenn man beklaut wird? Danke für die Kenntnisnahme – um Verständnis bitten werde ich hier nicht. MfG, Luise Werlen – Geschäftsführerin der Musikschaffenden Schweiz

    1. Liebe Luise
      Danke für den Kommentar. Man spürt auch, dass viele Emotionen mitspielen. Zum Glück eigentlich. Ist das doch sicher eine der besten Voraussetzungen in eurem Geschäft.
      Ich lass den Kommentar auch gerne so stehen und möchte eigentlich nur zu den „privaten Subventionen“ noch ein Anmerkung hinzufügen.

      Wir können den Begriff auch gerne durch „Solidaritätsbeitrag“ ersetzen. Der Haken daran ist, dass ich nicht mehr frei wählen kann, welchen Künstler ich (zusätzlich zum Plattenkauf oder Konzertbesuch) gerne unterstützen möchte, weil mir seine Musik gefällt, sondern eine Pauschalbgabe entrichten muss, die nach einem (vermutlich durch die SUISA bestimmten) Schlüssel verteilt wird.
      Insofern entspricht es eben letztlich doch einer Art Subventionierung der gesamten Branche.

      Und noch etwas, du schreibst, dass es euch egal ist, wenn die Provider diese Pauschalabgaben den Kunden weiter verrechnen. Diese Aussage ist leider wenig konstruktiv und hilft nicht wirklich den Dialog sinnvoll zu führen.

      Ich werde versuchen in den nächsten Tagen meinen Blogeintrag zu ergänzen, um euch zu zeigen was uns als Kunden sonst noch so durch den Kopf geht 😉

    2. ….. bin weder musik-schaffender, noch grosser musik-freund, werte Luise Werlen, und die ISP werden eine allfälige abgeltung an künstler an ihre kunden weiterreichen, was rein unternehmerisch auch sinnvoll ist, da man argumentieren kann, dass es sich bei einer solchen abgeltung um weitere betriebskosten handelt, die einfach in den tarif, in den preis ihres produktes einfliessen muss…..
      ….. somit würde ich gezwungen eine pauschalabgabe mit zu entrichten, obschon ich wenig bis kaum musik konsumiere…..
      ….. zudem ist es ja nicht der ISP, der die musik konsumiert, sondern der kunde, der ISP ist nur ein transport-vehikel, sind sie bereit einen höheren ticketpreis für den stadtbus zu bezahlen, nur weil der mitreisende auf dem nächsten sitz seine kopfhörerbeschallung so laut hat, dass man zwangsläufig mithören muss…..?
      ….. denn da könnte man ja auch argumentieren, dass just in dem moment, auch wenn man es nicht wollte, musik konsumiert wurde und somit auch dafür zu bezahlen hat…..

      ….. des weiteren stimmt es so auch nicht ganz, dass der verkäufer allein den preis bestimmen kann, denn er muss ja erst noch einen konsumenten finden, der dann auch bereit ist diesen preis zu zahlen…..

      ….. ich bin auch dafür, dass der urheber entsprechend entschädigt werden soll, das steht ausser frage, aber ich bin entschieden dagegen, dass dies über pauschalisierte abgaben geschehen soll…..
      ….. denn dies führt doch nur dazu, dass die musik-industrie, und nicht der musik-schaffende, quersubventioniert wird…..
      ….. zuerst sollte doch gelöst werden wie das mit den urheber-rechten in der musik-industrie gehandhabt wird, sprich dass die rechte alleinig beim urheber verbleiben, und nicht an die verlage und vertriebsorganisationen abgetreten werden…..

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