Extrablatt (teil)entschlüsselt

Extrablatt (teil)entschlüsselt

Heute hat das Bundesamt für Statistik die Zahlen zu Freiheitsentzügen und Insassenbestand der Schweizer Gefängnisse veröffentlicht
Ein kurzer Blick in die Daten hat mich veranlasst einen Vergleich mit den im SVP Extrablatt veröffentlichten Zahlen zu vergleichen.

„73 % aller Gefängnisinsassen sind Ausländer. Sie verursachen Kosten in Milliardenhöhe.“

Dazu gibt folgende Dinge zu sagen:

  1. Sollten die Zahlen tatsächlich stimmen (tun sie nicht, aber dazu später) wäre es ehrlich, wenn die SVP auch sagen würde, dass die Kosten auch bei einer Annahme der Initiative nicht sinken. Verurteilte Straftäter sitzen auch bei Annahme der Initiative ihre Strafe in der Schweiz ab.
  2. Die Zahlen sind falsch! Erstens sind es über alle Ausländer gerechnet 66% Ausländer. Von der Initiative betroffen sind jedoch nur 21%. Denn nur soviel Nicht-Schweizer mit Wohnsitz in der Schweiz können ausgeschafft werden. 29% der inhaftierten Ausländer fallen unter die Rubrik „Kriminaltouristen“, also Leute, die zwar in der Schweiz ein Verbrechen verüben, aber nicht hier wohnen.

„Im Jahr 2014 hatten ganze 73 % der Gefängnisinsassen keinen Schweizer Pass. Zur Erinnerung: Der Ausländeranteil beträgt in der Schweiz derzeit rund 24 %“

Wer solche Rechnungen anstellt, der muss auch mit den korrekten Zahlen rechnen. In diesem Fall müssten die Anzahl Insassen aus der ständigen Wohnbevölkerung verwendet werden, damit sie auch mit dem Ausländeranteil in der Schweiz verglichen werden kann. Korrekt würde der Satz so lauten:

„Im Jahr 2014 hatten ganze 66 % der Gefängnisinsassen keinen Schweizer Pass. Insgesamt sind 21% der Inhaftierten Menschen, Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz. Zur Erinnerung: Der Ausländeranteil beträgt in der Schweiz derzeit rund 24 %“

2016-01-25 17_27_17-Starten

Die Zeitachse ist  zwar relativ kurz, dennoch lässt sich feststellen, dass die Zahl der Inhaftierungen in Verknüpfung mit Pass und Aufenthaltsstatus recht konstant sind. Einzig bei den „Kriminaltouristen“ und den Asylsuchenden ist ein Anstieg sichtbar.

Natürlich gibt es noch weitere Ungereimtheiten im Extrablatt. Allerdings hat sich die SVP dieses Mal etwas mehr Mühe gegeben und die Zahlen suptiler kaschiert als in der letzten Ausgabe. Lassen wir uns aber nicht täuschen, auch dann nicht, wenn im Kleingedruckten einer Grafik steht:

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und ich glaube, da sind wir uns alle einig, dass Beschuldigte nicht das selbe sind, wie überführte und verurteilte Täter.

Und ganz kurz noch zu den Kosten, die den Schweizer Steuerzahler belasten (gerechnet mit 400 CHF/Tag, gem. O. Freysinger)

Anzahl inhaftierte Schweizer 2014: 1463
Kosten pro Jahr: 213’598’000 CHF

Anzahl inhaftierte Ausländer 2014: 3022 (inkl. Kriminaltouristen und Asylsuchende)
Kosten proo Jahr: 441’212’000 CHF

Macht im Jahr 2014 654’810’000 CHF wovon 1/3 durch Schweizer verursacht wird.

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