Ich setz mich nochmals in Szene…

Ich setz mich nochmals in Szene…

Gestern konnten die Organisatoren des Open Air Frauenfeld einen ersten Erfolg mit ihrer Festival City-Aktion vermelden.
Die Luxus-Mansion und Favelas sind ausverkauft.

50 Besucher haben sich also für  „Kreatives Ausleben, einzigartiges Festival-Erlebnis und ultimativer Spass für läppische 200 Franken„, vertickt unter dem Begriff Favela, entschieden.

Der bereits mehrfach kritisierte Begriff für 12 qm steht noch immer. Und der Pressesprecher Joachim Bodmer äussert sich zur Kritik: „Ich finde es spannend, dass man sich zu etwas öffentlich äussern kann, obwohl man sich offensichtlich nicht mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Das ist pures sich in Szene setzen.

Tja, an Ignoranz und mangelnder Kritikfähigkeit mangelt es dem Herrn nicht. Ausser der Stellungnahme im Tagblatt weigern sich die Organisatoren auf allen Kanälen sich den Kritiken zu stellen.

Was kritisiere ich (und auch einige Andere mit mir) überhaupt an der Aktion?
Nein, es ist nicht eine weitere Kommerzialisierung die mich stört!
Nein es sind nicht die zusätzlichen Einnahmen!
Nein, es ist nicht der Bauschutt und die Entsorgung der verwendeten Materialien!
Und nein, es ist nicht die Idee an sich, ein Festival-Village aufzubauen!

Es ist die schlichte Verwendung eines Namens, der insbesondere in der aktuellen Situation pietätlos wirkt:

Die vermutlich meist Jugendlichen „Erbauer“ und „Mieter“ in der künstlich errichteten Favela werden sich wohl kaum Gedanken machen, wie/wo sie während den Festivaltagen feiern, verköstigen und ein unbeschwert die Musik geniessen.
Zur selben Zeit findet im „Urland“ der Favelas einer der grössten kommerziellen Sportanlässe weltweit statt. In Zusammenhang mit der Fussball-WM werden zugunsten der subjektiven Sicherheit für die Touristen und Fussball-Fans die Quartiere, eben die Favelas, „zwangszivilisiert“. Menschen werden umgesiedelt, Armee und Polizei sorgen für „Recht und Ordnung“.
Was da alles läuft um sich WM-würdig zu präsentieren kann man zu Genüge in der Tagespresse nachlesen. Dass nach den Grossanlässen (2016 steht auch noch Olympia auf dem Programm) die Truppen abziehen werden und die Bewohner in einem Machtvakuum zurückbleiben werden dürfte absehbar sein.
Ich will hier aber keinen moralischen Vortrag zu den Grossanlässen halten. Das können andere bedeutend besser. Aber ich kann an die Veranstalter des Open Air Frauenfeld appellieren und etwas mehr Feingefühl und soziale Verantwortung zu zeigen. Die Besucher sollen doch nicht mit dem Spruch „Läck sind Favelas geil“ den Heimweg antreten oder?
Übrigens die geplante Liveübertragung der WM auf Grossleinwand trägt auch nicht gerade zur Entschärfung bei.

Ich erwarte von den Verantwortlichen eigentlich nichts anderes als den Begriff für das „200 CHF Armenviertel“ zu ändern. Sucht euch doch einen Sponsor und nennt es Doit-Land oder Obi-Dorf. Ich bin sicher, da gibts viele Varianten die weder herablassend sind, noch den Besuchern suggeriern dass ein paar Tage in einer Favela einfach nur geil sind. Auch aus Rücksicht gegenüber den hundertausenden Brasilianern die ihr gesamtes Leben in Favelas verbringen.

Ich würde mir wünschen, dass die Veranstalter das endlich einsehen und ihre Besucher auch etwas sensibilisieren. Die Kommentare auf der Facebookseite sollten eigentlich Anlass genug sein etwas Aufklärung und Respekt unter die Besucher zu streuen.
Danke!

 

Übrigens, sackschwach, dass die Organisatoren einzelnen Kommentare (nein die waren ganz anständig!) löschen und mittlerweile sogar den mit über 160 Kommentaren versehenen Facebook-Eintrag zu dm Festival-Village gelöscht haben. Social-Media und Umgang mit Kritik geht anders!

Leave a Reply