Open Air und Naturschutz: Wieviel Schutz bietet die Schutzverordnung?

Open Air und Naturschutz: Wieviel Schutz bietet die Schutzverordnung?

Dieser Brief wurde via Mail direkt an Herrn Thomas Schwager versandt. Grund dafür war das Postulat, dass am 22.2.2011 im Stadtparlament St. Gallen eingereicht wurde

Profil Thomas Schwager: http://www.stadtparlament.stadt.sg.ch/mitglieder/person.aspx/392
Postulat: http://www.stadtparlament.stadt.sg.ch/geschaefte/geschaeft.aspx/1410

Sehr geehrter Herr Schwager

Mit einigem Erstaunen habe ich mir heute Vormittag ihr Postulat „Open Air und Naturschutz: Wie viel Schutz bietet die Schutzverordnung“ durchgelesen.

Kurz zu meiner Person:
Mein Name ist Marcel Baur, wohnhaft in St. Gallen und seit rund 20 Jahren Helfer am Open Air St. Gallen und Mitglied der Piraten Partei Schweiz.

Sie finden diesen Brief ab heute Abend auch auf meiner Homepage

Ihre Fragen sind sicherlich zum Teil berechtigt und auch ich bin gespannt auf die Antworten. Insbesondere die Bauten und Anlagen die exklusiv für das Festival erstellt wurden interessieren mich, wenn auch aus anderen Gründen.

Was mich aber an Ihrem Postulat verwirrt ist, was Sie konkret erreichen wollen. Sie wissen so gut wie ich, dass ein alternativer Standort dem Open Air St. Gallen die gesamte Atmosphäre nimmt. Ein Umzug würde dem Festival nicht nur kurzfristig schaden, sondern es wäre das Aus für dieses Traditionsfestival.

Zu Abfall
Der Umgang mit Abfall ist ein gesellschaftliches Problem, das nicht nur das Sittertobel, sondern auch alle anderen Grossanlässe betrifft. Betroffen sind in St. Gallen die Veranstaltungen im Zentrum (St. Galler Fäscht, Fasnacht usw.) genauso wie die Anlässe am Stadtrand wie z. Bsp. der CSIO. Auch die Musikfestwochen dieses Jahr und das Kinderfest verursachen jeweils Abfall, der entsorgt werden muss. Ein Spaziergang entlang dem Sitterstrandweg wird Ihnen zeigen, das Ihre Bilder genausogut ober- oder unterhalb des Festivalgeländes aufgenommen werden könnten.

Ein neuer Standort würde das Problem nur verlagern und mit Sicherheit nicht lösen. Ob letztendlich die Ökobilanz dadurch tatsÄchlich verbessert wird, wage ich zu bezweifeln.

Was mich aber am meisten enttäuscht, ist dass Sie die Bestrebungen der Organisatoren in keiner Art und Weise berücksichtigen. Die Organisatoren setzen seit Jahren laufend Verbesserungen um und stehen damit europaweit an der Spitze in Sachen Ökologischer Festivals. Ebenso vergessen Sie die Risikobereitschaft und die Vorreiterrolle bei neuen Konzepten zur Abfallverminderung und zum Recycling. Umweltschutz hört nicht in St. Gallen auf!

Bitte lesen Sie sich die Ausführungen unter http://www.openairsg.ch/info/greennclean/ nochmals ausführlich durch und versuchen Sie mit konstruktiven Vorschlägen die Organisatoren zu unterstüzen. Ich bin sicher, dass sie Ihnen gerne zuhören.

One thought on “Open Air und Naturschutz: Wieviel Schutz bietet die Schutzverordnung?

  1. Die Natur gehört ins Sittertobel
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    Es mit heiligen Kühen aufzunehmen ist immer heikel. Wenn ich mich in einem Vorstoss aber für den besseren Schutz des Sittertobels ausspreche, dann tue ich dies als Mitglied des Vorstands des Naturschutzvereins der Stadt St.Gallen ausschliesslich im Interesse bedrohter Tiere und Pflanzen im einem besonders wertvollen und sensiblen Gebiet. Einem Gebiet, das nicht nur auf dem Papier geschützt gehört.

    Ich politisiere bei den Grünen. Und ich bin gleichzeitig auch Musikfreund. Und in meinen Jugendjahren zweifacher OpenAir-Besucher! Grüne Anliegen und Musik im OpenAir-Gelände unter einen Hut zu bringen ist nicht ganz einfach. Ich habe Verständnis dafür, wenn Musikfreunde Probleme mit meiner grundsätzlichen Kritik am OpenAir an diesem Standort haben. Aber wenn es aber darum geht, einen Missstand anzugehen, dann muss man sich auch unbequemen Themen stellen. Wie eine Politik aussieht, die sich an den Erwartungen der eigenen Wählerschaft orientiert, kann dies bei der SVP beobachten.

    Zu den Fakten:

    Was war zuerst: OpenAir oder Naturschutz?
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    Der NVS, also der Naturschutzverein der Stadt St.Gallen, hat sich seit seiner Gründung vor 40 Jahren für den Schutz der Sittertobellandschaft eingesetzt. Die heutige Sitterschutzverordnung geht auf einen Parlamentsvorstoss aus den Reihen eines NVS-Vorstandsmitglied zurück. Details dazu unter
    http://www.nvs-sg.ch/schutz_sitterschutz.htm.

    Das OpenAir-Gelände ist keine intakte Naturlandschaft mehr. Nicht nur, aber auch wegen dem OpenAir. Klar ist: Die Natur mit den vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen waren auf jeden Fall vor dem OpenAir im Sittertobel! Und bei allem Verständnis für die Anliegen der Musikfreunde ist sie wirksam und nachhaltig zu schützen! Daran mangelt es heute:

    Amphibien
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    In der Sitterlandschaft besteht ein grosses Defizit an Feuchtgebieten zur Erhaltung gefährdeter Amphibien. Diese Tiere gehören aber naturgemäss an diesen Standort. Am unteren Ende des OpenAir-Geländes befindet sich ein Gebiet, das mit grossem Aufwand trockengehalten wird bzw. wegen dem OpenAir-Anlass werden muss. Mit geringen Mitteln liesse sich ein kleinflächiger und artenreicher Auenlebensraum erstellen.

    Schmetterlinge
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    Viele Schmetterlingsarten sind auf spätblühende Pflanzen oder Brennesseln angewiesen. Diese Nahrungsgrundlage wird durch den OpenAir-Betrieb Ende Juni, Anfang Juli komplett zerstört.

    Abfall
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    Dass das OpenAir kein Naturanlass ist zeigen schon die folgenden Bilder, die im Februar 2011 aufgenommen wurden:
    http://bit.ly/sittertobel

    Wo waren da die OpenAir-‚Trash Heroes’, die von den Veranstaltern als ein wichtiger Beitrag für einen ‚grünes’ Musikfest aufgeführt werden?

    Was ich will
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    In meinem Postulat an den St.Galler Stadtrat möchte ich Bericht darüber, in welchem Zustand sich das OpenAir-Gelände aus Sicht des Natur- und Landschaftsschutzes heute präsentiert, und welche Verbesserungsmassnahmen sich ergreifen liessen. Weiter möchte ich Auskunft darüber, was für Infrastrukturanlagen im Gelände erstellt wurden, wer sie bewilligt und bezahlt hat. Und nicht zuletzt: Wer ist für den Rückbau und die Renaturierung zuständig, wenn das OpenAir einmal nicht mehr sein wird? Zur Erinnerung: Das OpenAir ging bereits einmal um Haaresbreite in Konkurs und wurde von der Stadtkasse herausgeboxt.

    Wie weiter
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    Die Veranstalter des OpenAirs bemühen sich um ein ‚grünes’ OpenAir. Das habe ich auch in meinem Vorstoss anerkannt. Trotzdem: Ein Megaanlass dieser Grössenordnung gehört eigentlich nicht in ein für den Natur- und Landschaftsschutz so wichtiges Gebiet. Wenn das OpenAir an diesem Ort bleiben will, dann muss nach meiner Auffassung und nach Auffassung des Naturschutzvereins der Stadt St.Gallen deutlich mehr für den Schutz von Tieren und Pflanzen getan werden. Von Seiten der Veranstalter, aber auch der Festivalgäste. Zum Beispiel durch ein Ausscheiden eines 10 Meter breiten Uferstreifens zum Schutz der Fauna und Flora. Ersatz für dieses Gelände könnte auf dem Gebiet Geissberg sein. Da wäre Grünfläche, die ökologisch nicht so sensibel wäre unten im Sittertobel.

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