Schweizer Meister des Pop und Rock

Schweizer Meister des Pop und Rock

so titelte die Schweiz am Sonntag (1) in ihrem Kulturbund einen Artikel über André Béchir, Chef bei abc Production.
Beim Lesen des Artikels hatte ich ein kleines Deja Vue. Hatte ich doch ganz ähnliche Passagen auch aus dem Buch „Das Geschäft mit der Musik“ von Berthold Seliger (2).
Darin ging es allerdings um Live Nation, die mit der selben Wertschöpfungskette arbeiten wie jetzt die abc Production, allerdings in viel grösserem Stil.

Nun, weshalb ein Blogbeitrag darüber?
Ganz einfach. Im Artikel der Schweiz am Sonntag wurde folgender Satz abgedruckt:

Dabei sollte die gesamte Wertschöpfungskette im Haus gehalten werden. Das heisst: Booking, Ticketing, Konzertorganisation, Vermarktung sowie die mediale Ausschlachtung.

Das heisst, alles ausser den Künstlern selber! Klar werden auch einige Interpreten oder Künstler erwähnt: Black Sabbath, Justin Timberlake oder die Rolling Stones
Diese genannten Künstler können vermutlich sehr gut damit leben, dass die gesamte Maschinerie hinter ihren Konzerten im Hallenstadion oder einer anderen grossen Bühne abkassiert. Ihre Gagen dürften trotzdem üppig ausfallen, was auch aufgrund der Ticketpreise schnell ersichtlich ist. Ähnlich dürfte es auch Bands wie Kings of Leon, Miley Cyrus, Nine Inch Nails, Scorpions, Lady Gaga gehen. Ihre Konzerte werden alle von der abc Production vermarktet und organisiert.

Aber wo bleiben die kleinen Bands? Wer kümmert sich um diese? Soll das meine Sorge sein? Eigentlich nicht, ausser ich möchte gerne eines dieser Konzerte besuchen. Evtl. sogar mit meiner Frau oder mit unseren beiden Kids, die langsam in das Konzertalter kommen. Denn dort liegt der Hund begraben. Unser Konzertbudget fürs Jahr 2014 kann dies einfach nicht mehr verkraften:

Rolling Stones: 164 CHF für die billigsten Plätze
Black Sabbath: 94 CHF
Kings of Leon: 87 CHF
Scorpions: 85 CHF

Alle natürlich noch ohne Anreise, Verpflegung und allenfalls Merchandising-Artikel. Sollte ich mich also mit meiner Familie für eines dieser Konzerte entscheiden, komme ich auf 340 bis 656 CHF für die billigsten Plätze exkl. Anreise und Verpflegung. Bei den Stones müsste ich vermutlich an die 1000 CHF für den Familienevent hinlegen! Sry, unmöglich!
Auch bei 340 CHF für die Scorpions wären keine grossen Sprünge mehr fürs den Rest des Jahres möglich. Vielleicht noch ein oder zwei Konzerte im Place oder der Grabenhalle (was nicht abwertend gemeint ist!).

Schade, dass es mittlerweile für normale Mittelstands-Familien mit Kindern im Teenager-Alter nicht mehr möglich ist, auch mal Konzerte eines Stars zu besuchen. Kommt hinzu, dass hier vermutlich das grosse Geld gemacht wird und die kleinen einheimischen #Musikschaffenden das Nachsehen haben, weil so für ihre Musik schlicht kein Geld mehr übrigbleibt.

Da lobe ich mir eine Aktion von Kid Rock, der während seiner Sommertour 2013 (3) ganze 20$ Eintritt für seine Konzerte verlangt hatte und auch alle Preise Drumherum gesenkt hat, inkl. Gratiskaffe:

„Viele Menschen müssen mit Lohnkürzungen leben, warum nicht auch ich? Ich habe immer versucht die Preise fair zu halten und bin stolz darauf durch die Straßen gehen und den Leuten in die Augen sehen zu können und dabei zu wissen, dass ich die arbeitende Bevölkerung um keinen unehrlichen Dollar geprellt habe“

Das Statement von Kid Rock zeigt, dass es neben reinem Kommerz auch noch „Grosse“ im Business gibt, die noch wissen für wen sie eigentlich Musik machen.

Quellen:

(1) Schweiz am Sonntag vom 19.4.2014 – Der Schweizer Meister des Pop und Rock

(2) Das Geschäft mit der Musik von Berthold Seliger – Offizielle Webseite

(3) Kid Rock 20$ Tour – offizielle Seite

Bei diesen 3 Firmen dürft ihr gerne mal reinschnuppern. Vielleicht habt ihr dabei auch das Eine oder Andere a-ha Erlebnis 😉

abc Production
Good News
Live Nation

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