#Swisspass der SBB

#Swisspass der SBB

Ich wurde gestern in einer Twitterdiskussion mehrmals gefragt, wo ich denn bei #Swisspass Probleme sehe.
Ich gebe hier gerne etwas ausführlicher Antwort:

Der Swisspass der SBB wird in einem ersten Schritt das GA und das Halbtax ablösen.
Dazu besitzt der kreditkartengrosse „Pass“ 2 RFID Chips – Einer für die SBB-Funktionen und einen für Skipässe und Ähnliches.
Diese Auftrennung ist soweit eigentlich klug und ermöglicht die Trennung von 2 unterschiedlichen Anwendungen, die wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben.
Bei dem (vermutlich) verwendeten RFID-System ist die Karte grundsätzlich dumm und gibt ihre Daten jeweils nur preis, wenn sie mit einem Lesegerät Verbindung aufnimmt. Dieses System kennen vermutlich einige auch von Cashless-Systemen, wie sie an vielen Festivals verwendet werden.

Die dumme Karte

Die auf der Karte gespeicherten Informationen sind minimal. Gemäss SBB ist es lediglich eine Identifikationsnummer,
Hier beginnt es spannend zu werden. Eine ID-Nummer alleine bringt natürlich herzlich wenig. Um die erworbenen Dienste, die Online oder evtl. am Schalter gekauft wurden abfragen zu können, muss das Lesegerät des Kontrolleurs eine Verbindung zu einer zentralen Stelle aufnehmen, um die Leistungen, die gebucht wurden, abfragen zu können. Die Karte selber mag zwar dumm sein, das System dahinter ist es sicherlich nicht. Ohne Verbindung zu einer zentralen Datenbank wäre die Karte sinnlos. Bei der SBB tönt das dann so:

Das Kontrollpersonal überprüft Ihr Abo mit einem elektronischen Lesegerät. Dafür müssen Sie ihnen Ihren SwissPass aushändigen. Sie prüfen das Foto und können mit dem Lesegerät Ihren Namen sowie Art und Gültigkeit Ihres Abos kontrollieren.

Die zentrale Datenbank

Aus den bisher veröffentlichten Informationen geht nicht klar hervor, was genau in der zentralen Datenbank gespeichert wird. Es gibt aber Hinweise, dass mindestens die Reisedaten aufgenommen werden. Die SBB schreibt dazu:

Ihre Daten werten wir zu Marktforschungszwecken anonymisiert aus. Das hilft uns, unser Angebot für Sie laufend weiterzuentwickeln sowie unser Sortiment zu erweitern

Es gibt keine Alternative

Der aus meiner Sicht vermutlich schwerwiegenste Grund für meine ablehnende Haltung ist die fehlende Alternative. Selbst als Halbtax-Benutzer wird in Zukunft meine Karte eingelesen und gespeichert. Der einzige Ausweg aus dem Dilemma, ist das Lösen eines vollen Tickets am Automaten. Oder noch schlimmer, ich verzichte ganz auf Benützen der SBB
Es verhält sich also anders als bei den Kundenkarten der Grossverteiler. Ich habe keine Wahl. Insbesondere Pendler und andere Vielfahrer müssen in den sauren Apfel beissen

Automatische Verlängerung

Ein Vorwurf, der auch von den Konsumentenschutzorganisationen erhoben wird, ist die automatische Verlängerung der Abos.
Ein nicht ganz unerheblicher Punkt. Wenn jemand den richtigen Zeitpunkt verpasst und vergisst sein Abo zu kündeigen, dem flattert dann halt wieder eine Rechnung von 3700 CHF (GA, 2. Klasse) ins Haus oder wird von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht.
Immerhin, den nächsten Kündigungstermin kann man sich (wenn man es denn aktiviert) zusenden lassen:

Sie können eine Erinnerung für die fristgerechte Kündigung Ihres Abos aktivieren.

Partnerschaft

Die SBB ist natürlich bestrebt, den Swisspass möglichst flächendeckend einzusetzen. Nebst den bereits bekannten Partnern sind weitere Angebote geplant, wobei Skigebiete die wohl meist genannten sind. Aber auch ein Einbezug weiterer Verkehrsverbunde würde natürlich Sinn machen.
Hier sehe ich ein weiteres Problem, das mich und meine Daten betrifft. Ich weiss bei Vertragsabschluss nicht, wer in Zukunft alles in den Besitz meiner Daten gelangt. Eines weiss ich sicher:

Die im Rahmen des Vertragsabschlusses erhobenen Daten verwenden wir, um Ihren SwissPass auszustellen und zu verwalten. Dazu gehört, dass wir Ihre Daten an Dritte weitergeben, die den SwissPass produzieren oder Ihnen die Aboleistungen in Rechnung stellen.

Ich habe versucht, meine Punkte so einfach wie möglich in Worte zu packen.
Ansatzpunkte und Scenarien für die Verwendung der Daten, evtl. auch in Kombination mit neuen Partnerschaften, habe ich absichtlich weggelassen.
Es dürfte aber mittlerweile allen klar sind, dass dort, wo solche Daten gespeichert sind, die Nachfrage auch nicht weit entfernt ist.
Von den Ermittlungsbehörden wollen wir schon gar nicht sprechen.

Was bleibt ist ein kommunikativer Scherbenhaufen und ein seltsamer Nachgeschmack.
Ich werde versuchen noch weitere Fragen zu klären:

  • Wie weit wurde das Konzept durch unabhängige Datenschutzstellen geprüft
  • Wie schauen die Aufbewahrungsfristen aus
  • Wie bekommt man Einsicht über die gespeicherten persönlichen Daten
  • Wer überwacht und auditiert allenfalls die Zugriffe von Partnern
  • Welche Partnerunternehmen kommen in Zukunft in Frage
  • Wie handhabt die SBB die Daten im grenzüberschreitenden Verkehr
  • ….

Quellen:

7 thoughts on “#Swisspass der SBB

  1. Du hast schon Recht mit dem DSG. Allerdings schweigt die SBB und der VöV beharrlich darüber, ob und wie das System von Datenschutzbeauftragten angeschaut wurde.
    Weiter handelt es sich möglicherweise sogar um eine Meldepflichtige Datenbank, die beim EDöB registriert werden müsste.

    Es kommen hier aber auch neue Dimensionen dazu:

    – 2 RFID Chips auf einer Karte – Wer hat welchen Zugriff auf welchen Chip? Für die Kunden bisher völlig intransparent.
    – Die Erweiterung auf Partnerdienste und damit auch die Möglichkeit, dass während eines laufenden Abos weitere Personen rückwirkend Daten einsehen und auch auswerten können
    – der grenzüberschreitende Verkehr mit allfälliger Weitergabe an ausländische Partner ist nicht geklärt

    Es geht nicht darum, die Karte allen madig zu machen, sondern es geht um Informationen für Abonennten, die den Systemwechsel nicht einfach so schlucken. Die SBB hat da eine Bringschuld, die sie rasch begleichen sollte.
    Insbesondere auch deshalb, weil sie rund 3 Millionen Kunden vor vollendete Tatsachen stellt.

  2. Und mir geht es darum das nicht erstmal 3 Jahre darüber debattiert wird ob das sinn macht oder nicht.
    Zum einen ist die SBB genug Privatbetrieb das sie die Kostensensitiv sein müssen, sonst hätten sie das nicht gemacht.
    Zum anderen ist die SBB genug Staatsbetrieb das sie es sich nicht leisten können die DSG zu ignorieren.

    1. Über Dinge, die zwingen für alle Kunden sind sollte man sich schon im vorfeld ein paar Gedanken machen.

      Auch mich macht das ganze den Eindruck, dass man aus irgendwelchen Gründen RFID wollte und dann krampfhaft (und vergeblich) nach Vorteilen für die Kunden suchte.
      Es musste ja ein 2. Chip eingebaut werden (den wohl 90% der Kunden zwar bezahlen aber nicht nutzen werden).
      Mobility hat gerade mal 120’000Kunden. Das sind weniger als 10% der Halbtax/GA-Besitzer. Für diese 10% nen 2. Chip?
      Und wenn die Karte weg kommt oder kaputt geht kann ich weder Mobility noch Bahn nutzen?… Neeee
      Skipass auf derselben Karte wie GA? Nein! ICh werde nicht mein über 3500.- teuers GA in einer Ausentasche meines Skianzuges mit mir tragen!

      Die Hilflosigkeit zeigt sich ja auf der Website der SBB. Als „Partner“ wird eine Dienst angepriesen, der es erlaubt, kostnelos Velotouren-Karten auf das Mobiltelefon zu laden. Dafür brauch ich den SwissPass nicht! Das gaht auch ohne!

      Papierbillet ersetzen? Wieso denn, wir haben ein gut funktionierendes, effizientes System mit Papier und E-Tickets.

  3. Ich verstehe ehrlich gesagt die Aufregung nicht ganz ….

    >Es gibt aber Hinweise, dass mindestens die Reisedaten aufgenommen werden.

    Ist damit gemeint, dass mit der Kontrolle, ob das Halbtax bzw. GA gültig ist, auch Abfahrts- und Ankunftsort abgefragt und gespeichert werden? Dass kann ich mir aus praktischen Gründen kaum vorstellen …
    Ansonsten werden IMHO durch die reine Gültigkeitsprüfung ausser der Häufigkeit der Nutzung keine persönlichen Daten erfasst, die nicht eh schon erfasst sind.
    Ich stimme zu, dass Transparenz von den von Marcel aufgeworfenen Fragen nötig ist.

    1. Beim Start des Abos ist die Erfassung von Einzeltickets noch nicht vorgesehen. Der VöV macht allerdings klar, dass dies geplant ist: „Ein ständiger Ausbau der öV-Angebote (Verbundabos, Einzeltickets) sowie der Partnerdienste ist geplant.“
      Also nicht nur die Halbtax- und GA-Abos sondern auch Verbunde wie Ostwind sollen sich beteiligen, auch mit Einzeltickets
      Quelle: http://www.voev.ch/de/unsere-themen/oeV-Zukunft/SwissPass/6-Fragen-zum-SwissPass

  4. @Marco

    >Nein! ICh werde nicht mein über 3500.- teuers GA in einer Ausentasche meines Skianzuges mit mir tragen!
    Nun, Dein GA ist da ja gar nicht drauf. Der Verlust eines herkömmlichen Skipasses ist schmerzhafter.

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