Township oder eben Favela – ein Kommentar

Township oder eben Favela – ein Kommentar

Ja, ich empöre mich über die Namenswahl des Frauenfelder Open Air.
Ja, ich stehe hin und kritisiere die Veranstalter, aber nicht für ihre Idee eines Festival-Village sondern für die unterschwellige Etablierung eines Begriffes, der in der Sache aus meiner Sicht verwerflich ist.

Ich bin seit Jahren ein fleissiger Besucher von Festivals und ich bewundere immer wieder die Kreativität einiger Besucher wenn es darum geht möglichst trocken durch das Wochenende zu kommen. Auch beim Getränkeschmuggel würde ich beim einen oder anderen Trupp vermutlich ein Auge zudrücken, alleine schon wegen der Idee und dem Aufwand der betrieben wurde. Der Bastelidee kann ich als solches viel mehr abgewinnen als der Luxus-Mansion für 40’000 CHF

Aber:

Die Veranstalter haben sich auf 20min so geäussert: „Zunächst dachten wir über den Ausdruck Township nach. Das wäre negativ behaftet gewesen. Favelas hingegen werden ja mittlerweile von der Landesregierung unterstützt.“
Das tänt doch mehr als zynisch. Gerade im Hinblick auf die Fussball-WM und auf die olympischen Spiele von 2016 sollte man sich über die Situation in den Armenvierteln ein paar Gedanken mehr machen. Wie weit unterstützen denn das IOK oder die FIFA die Favelas und ihre Bewohner? Wird da Rücksicht genommen auf die Lebensweise und die sozialen Netzwerke, die sich gebildet haben? Was wird nach den Spielen? Ein Blick auf die „Township“ in Südafrika könnte da hilfreich sein.

Zurück zur reichen Schweiz. Für 200 Stutz kann man sich mit Baumaterialien und Interieur eindecken. Fachkräfte helfen sogar beim Aufbau. Es werden Fotos geschossen und über das bereitgestellte WLAN ins Netz geladen. Der Event wird unvergesslich und die Favela etabliert sich als Inbegriff für trockene Füsse, Couchfeeling und „Home Sweet Home Gefühle“.
Am Schluss wird, wie auch auf dem „normalen“ Zeltplatz, alles liegen gelassen und man fährt nach Hause um noch rechtzeitig das Fussball-Spiel um Platz 3. im TV anzuschauen. Nach mir die Sintflut, aber geil wars. Favela ist auch für nächstes Jahr gebucht.

Ich wiederhole gerne auch, dass ich der Idee mit dem Festival-Village nicht negativ gegenüberstehe. Ich betrachte das als unternehmerische Freiheit. Aber ich sehe auch eine gewisse Verantwortung bei den Organisatoren. Favela wird zum Party-Begriff und geistert in Dutzenden Geschichten über das Festival-Wochenende durch die Party-Community
Das haben die Siedlungen in Brasilien, aber auch die Townships oder wie die Quartiere in vielen weiteren Millionenstädten heissen nicht verdient. Ich sehe nichts falsches darin die Besucher zu sensibilisieren und auf die dumme Begriffswahl aufmerksam zu machen.

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