Wird der Internetpranger Usus?

Wird der Internetpranger Usus?

Ich habe mich bereits vor einem Jahr über den Internetpranger ausgelassen http://marcel-baur.ch/?p=489
Diesmal hat die Luzerner Polizei zugeschlagen. 34 Bilder von Anhängern des GCZ wurden heute auf der Homepage veröffentlicht.

Folgende Dinge stellen einmal mehr das Mittel der Veröffentlichung in Frage:

Die Luzerner Staatsanwaltschaft versichert, dass die Bilder sofort nach Identifikation der Person gelöscht werden (1). Dummerweise hat sich der Blick die Bilder ebenfalls gekrallt. Ob es die Zeitung auch ernst meint mit dem Löschen von Bildern? Ein Rückblick auf die Geschichte mit dem „Petarden-Trottel“ lässt mich daran zweifeln.
Da die Bilder ja frei zugänglich sind und das Internet nachgewiesernermassen nichts vergisst, ist der Hinweis eine Farce.

Ich gebe zu, ich hab mir die Bilder angeschaut. Bei einigen Bildern habe ich mich echt gewundert, weshalb die Anhänger des GCZ nicht längst identifiziert wurden. Die Gesichter sind zum Teil recht gut erkennbar. Man würde meinen, dass aufgrund der doch recht guten Aufnahmen „normale“ Polizeiarbeit für eine Identifikation ausreichen würde.
Wenn das jedoch nicht möglich war, frage ich mich ernsthaft, was die Polizei alles mit Phantombildern und wagen Beschreibungen anfangen kann.

Eine weitere Frage stellt sich mir ebenfalls. Im Februar wurde ein Fan des FCB freigesprochen (2).
Damals hiess es, dass die Bilder einer Überwachungskamera nicht ausreichend für eine Verurteilung waren (3). Trotz des Freispruchs waren die Meinungen in der Bevölkerung gemacht. Dies aufgrund der Bilder und Videos, die (heute noch!) im Internet kursieren.

Ist die Methode des Internetprangers wirklich gerechtfertigt? Ist unsere Justiz nicht ein schlechtes Vorbild und führt auch Unternehmen und Private in Versuchung? Wann werden anstatt Fussballfans auch Fussgänger, Strassenmusikanten, Demonstranten, Vergewaltiger, Mörder und Kinderschänder öffenltich angeprangert? Wann bekommen es die Richter mit ersten Fällen von Selbstjustiz zu tun?

Ich bin überzeugt, dass es ohne diese öffentliche Blosstellung geht und die Täter, so denn es auch Täter sind, der gerechten Strafe zugeführt werden können.
Aber das Internet scheint eine billige Lösung zu sein, aus den Bewohnern der Schweiz Hilfssheriffs zu machen und die personellen Engpässe der Polizei zu kaschieren.

(1) http://www.lu.ch/c4kanton/mm_detail.html?id=10125&parameter=1916
(2) http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/fcb-fan-vom-vorwurf-des-landfriedensbruchs-freigesprochen-1.15036777
(3) http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/freispruch_verschaerft_kritk_am_internetpranger-1.15070464

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